Mehr Transparenz im Google Display-Netzwerk dank AdChoices?
Google unterstützt ab sofort das „Self-Regulatory Framework for Online Behavioral Advertising“ des Interactive Advertising Bureau (IAB Europe) und sein AdChoices-Programm. Ziel dieses Programms ist es, Internetnutzern mehr Transparenz über die angezeigten Werbebanner zu bieten und ihm proaktiv die Möglichkeit zu geben, die Werbeinhalte mehr den eigenen Interessen anzupassen. Oder auch zu verhindern, dass Werbung personalisiert an ihn ausgeliefert wird.
Auch andere Anbieter von Werbenetzwerken (bsp. Yahoo, Criteo, Mircosoft), Marketing-Agenturen und große Werbetreibende haben diese Vereinbarung unterzeichnet. Eine beeindruckend lange Liste an europäischen Unternehmen, die diese Vereinbarung unterzeichnet haben, gibt es im Web. Und nun ist also auch Google mit von der Partie. Doch wie wirkt sich das auf Sie als Werbetreibenden und/oder Internetnutzer aus?
Wer schon einmal ein AdWords-Banner im Display Netzwerk gesehen hat – und wer hat das nicht – wird eventuell das kleine stilisierte "I“ (siehe 1. Bild unten) am unteren rechten Rand des Banners aufgefallen sein. Wenn man dieses „I“ anklickte, kam man auf eine Seite, auf der man Informationen zu den Datenschutzbestimmungen von Google bekommen konnte und auf der man auch einen Richtlinienverstoß bezüglich der Ausgangsseite, oder der angeklickten Anzeige melden konnte. Unter anderem erreicht man auf dieser Seite auch den „Anzeigenvorgaben-Manager“. Das alte "I" weicht nun nach und nach dem neuen AdChoices-Symbol (siehe 2. Bild unten).

Der Anzeigenvorgaben-Manager
Kernstück des AdChoices-Programms bei Google ist der Anzeigenvorgabe-Manager. Letztendlich ist dieser Manager nichts anderes, als ein Tool, mit dem der Internetnutzer bestimmen kann, welche Werbeinhalte auf den von Ihnen besuchten Seite des Google Display-Netzwerkes angezeigt werden dürfen und welche nicht. Das Tool gibt es bereits seit November 2011. Im Zuge des AdChoices-Programms wird jetzt aktiv darauf hingewiesen, dass jeder Internetnutzer die Möglichkeit dazu hat, personalisierte Werbung im GDN zu deaktivieren oder seinen Interessensgebieten anzupassen. Dazu müssen Sie noch nicht einmal ein Google Konto haben. Sie klicken einfach auf das AdChoices-Symbol im Werbebanner, gehen auf der folgenden Seite zum Anzeigenvorgabe-Manager und nehmen die gewünschten Einstellungen vor. Durch das Bearbeiten der Kategorien wird auf Ihrem Rechner ein Cookie abgelegt, der die von Ihnen ausgewählten Kategorien, oder Ihren Verzicht auf personalisierte Werbung, bei jedem Seitenaufruf aus dem Display-Netzwerk an Google weitergibt. So kann genau ausgesteuert werden, welche Inhalte Sie interessieren - bzw. wird verhindert, dass Sie Werbung zu sehen bekommen, die genau auf Sie zugeschnitten ist. Wie das genau funktioniert, erklärt dieses Video:
Ist AdChoices eine Mogelpackung?
Was bezweckt Google mit der Teilnahme am AdChoices-Programm? Natürlich hört es sich sehr gut an, dem Internetnutzer mehr Transparenz und Mitbestimmungsrecht über die ihm angezeigten Werbe-Inhalte in die Hand zu geben. Insbesondere vor dem Hintergrund der kritischen Medien-Berichte bezüglich des gläsernen Konsumenten und der fehlenden Privatsphäre im Internet.
Das AdChoices-Programm ist auch eine geschickte Imagekampagne, die dem verunsicherten Internetnutzer den Bauch pinseln soll. Denn auf der einen Seite soll AdChoices den Internetnutzer beruhigen und ihm das Leben erleichtern, weil es seine Privatsphäre schützt. Auf der anderen Seite spielt es Google und seinem Bestreben, möglichst viele Informationen über den Internetnutzer zu sammeln, direkt in die Hände - damit natürlich auch den Werbetreibenden. Denn durch das aktive Hinweisen auf den Anzeigenvorgabe-Manager wird dieser natürlich auch von mehr Internetnutzern dazu verwendet, um genauere Informationen von sich an die Werbenetzwerke preiszugeben.
Aus Werbersicht ist Googles Teilnahme am AdChoices-Programm eine gute Sache. Denn es schafft Vertrauen bei den Zielgruppen in den Werbeträger - Bannerwerbung im Internet. Ebenfalls positiv aus Sicht des Werbers ist, dass Google mit dem AdChoices-Programm Werbung für ein Tool macht, welches es dem Werbetreibenden gestattet, Werbung personalisiert auszuliefern.
Aus Sicht eines Internetnutzers - und auch Werber benutzen hin und wieder das Internet - kann man jedoch auch anderer Meinung sein: Google nimmt an dem AdChoices-Programm teil und bewirbt damit ein Tool, welches unter dem Deckmäntelchen von mehr Transparenz, Schutz der Privatsphäre und Mitbestimmung im Internet eigentlich (auch) genau das Gegenteil bewirken kann.
So ist das "Self-Regulatory Framework for Online Behavioral Advertising" mit dem AdChoices-Programm ein zweischneidiges Schwert.
Fazit: AdChoices ist keine Mogelpackung
Aber nun mal genug der Meckerei: Nein, eine Mogelpackung ist das AdChoices-Programm nicht. Schließlich kann jeder Internetnutzer durch die Verwendung des Anzeigenvorgaben-Managers selbst bestimmen, in wie weit ihm personalisierte Werbung präsentiert wird. Er kann sogar komplett darauf verzichten. Oder er kann angeben, für welche Produkte und Dienstleistungen er sich interessiert. Mit dem AdChoices-Programm wird lediglich aktiv darauf hingewiesen, dass er die Möglichkeit dazu hat.
Die vermehrte Verwendung des Anzeigenvorgabe-Managers mit der Angabe der Interessensgebiete der Nutzer kann für Sie als Werbetreibenden durchaus positive Auswirkungen auf die Leistungsdaten ihres AdWords-Kontos haben. Zumindest ist die Chance größer, dass ein Internetnutzer ein Banner anklickt und die auf der Zielseite die gewünschte Conversion durchführt, wenn er vorher das Werbe-Thema der eingeblendeten Banner selbst bestimmt hat. Laut einem Google Test hat die Deaktivierung der Auslieferung von personalisierter Werbung zumindest keinen negativen Effekt auf die Leistungsdaten Ihres AdWords-Kontos.
Wie das AdChoices Programm von den Nutzen angenommen wird und welche Auswirkungen das tatsächlich auf Ihre Kontoleistungsdaten hat, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen.