In diesen Wochen rollt Google das Remarketing (Retargeting) für alle AdWords-Konten aus. Grund genug, sich spätestens jetzt mit dem Thema Re-Targeting im allgemeinen und dem Google AdWords Re-Marketing im speziellen näher zu beschäftigen.
[Dieser erste Teil fasst das zusammen, was man braucht, um mitreden zu können. Teil 2 folgt und zeigt dann, wie man konkret im AdWords-Konto vorgeht. Edit: Remarketing - Teil 2]
Wie funktioniert Remarketing?
Remarketing allgemein
Mithilfe von Remarketing-Kampagnen werden Besucher oder Kunden der eigenen Website auf anderen Sites gezielt angesprochen. Die Anzeigen können entsprechend angepasst werden und beispielsweise die Angebote bewerben, über die sich der Besucher zuvor informiert hat.
Ein einfaches Beispiel: Sie haben einen Shop für Sportartikel. Besucher A hat sich die Produktübersichtsseite von Laufschuhen angesehen und dann Ihren Shop verlassen. Surft er nun auf anderen Websites weiter, so können Sie ihm mithilfe Ihre Remarketing-Kampagne dort Anzeigen zu Ihren Top-Laufschuhen ausspielen. Sie nutzen also das Besucherverhalten des Users auf Ihrer Website, kennen seine Interessen und bisherigen Aktivitäten und liefern in Ihren Anzeigen dadurch genau passende Inhalte.

Welchen Inhalt die Site hat, auf der Ihre Anzeige ausgespielt wird, spielt dabei zunächst keine Rolle. Selbst wenn der User nach dem Besuch Ihrer Sportartikel-Website auf einem Nachrichten-Portal surft, bekommt er über das Remarketing eine Anzeige angezeigt, die zu seinen Laufschuh-Interessen passt. Ob dies im Einzelfall sinnvoll ist oder ob ein thematischer Zusammenhang nicht doch besser wäre, gilt es zu testen.
Besucher B hat bereits ein Paar Laufschuhe in den Warenkorb gelegt und wechselte erst dann auf eine andere Site. Ihm Ihre Top-Laufschuhe anzuzeigen, macht deutlich weniger Sinn: Er hat sich ja bereits für ein bestimmtes Modell entschieden. Vielleicht spielen Sie ihm deshalb besser die Botschaft "nur heute ohne Versandkosten" aus, um ihn zum baldigen Kauf zu überreden. Besucher C hingegen hat bereits gekauft. Ihm können Sie z.B. ergänzende Produkte wie Sportsocken oder Laufhosen einblenden.
Lesen Sie hier weitere Informationen zum Thema Remarketing - Besucher zu Kunden machen.
Remarketing in AdWords
Google AdWords Re-Marketing läuft über Kampagnen im Content-Netzwerk. Es stehen Ihnen also alle Seiten für Ihre Remarketing-Anzeigen zur Verfügung, die AdSense-Werbung erlauben – und damit auch die im Content-Netzwerk verfügbaren Kampagneneinstellungen, die Abrechnungsmodelle CPC oder CPM, die Ausrichtung mithilfe von Keywords und/oder Placements, sowie die erlaubten Anzeigenformate wie Text oder Image.
Damit die richtigen User angesprochen werden, müssen Sie zudem Ihre Besuchergruppen definieren; in obigem Beispiel wären dies die Besucher der Produktübersichtsseite, diejenigen, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt haben, sowie die Käufer. Dies geschieht, indem Sie auf Ihrer Website ein Code-Snippet (das sogenannte Remarketing-Tag) auf den entsprechenden Seiten einfügen – also auf der Übersichtsseite für Laufschuhe sowie auf der Warenkorbseite. Für die Danke-Seite, welche die Käufer definieren würde, ist kein extra Snippet nötig, wenn Sie das Conversion-Tracking von AdWords aktiviert haben.
Besucht der User nun die entsprechende Seite, wird er der jeweiligen Besuchergruppe bzw. Remarketingliste zugefügt. Diese Liste ist einer Anzeigengruppe Ihrer Content-Kampagne zugeordnet – und damit den dort hinterlegten Anzeigen. So wird sichergestellt, dass die jeweilige Besuchergruppe auch tatsächlich die richtige Anzeige und Botschaft erreicht.
Verlässt der User nun Ihre Site und wechselt auf eine Site im Content-Netzwerk, so kommt das dortige AdSense-Tag zum Zug: Es erkennt den User und weiß damit, in welchen Listen er überall enthalten ist. Im normalen Auktionsverfahren wird dann ermittelt, welche Anzeigen tatsächlich ausgespielt werden.
Ziele mit Re-Marketing
Schon aus obigem Beispiel können einige der möglichen Ziele abgeleitet werden, die mit dem Remarketing und der überaus gezielten Ansprache verfolgt werden können:
- User sollen mit passenden Botschaften wieder zurück auf die Website geholt werden.
- Mehr und wichtiger noch: Die Anzahl der Conversions, die Conversion-Rate sowie der Return on Investment (ROI) soll erhöht werden.
- Käufer können im Sinne des Cross-Sellings weitere Produkte angezeigt bekommen
- Käufer erhalten per Anzeigenbotschaft die Bestätigung, dass der getätigte Kauf tatsächlich "richtig" war.
- Zudem unterstützt Remarketing natürlich beim Branding und steigert die Marken-Awareness.
Die regelmäßig genannte Schattenseite soll hier nicht unerwähnt bleiben und auch von Ihnen beachtet werden: Setzen Sie Remarketing derart ein, dass es den User nicht nervt. Und geben Sie ihm nicht das Gefühl, dass ihn Ihre Anzeigen quer durchs Netz „verfolgen“. Schreien ihn Ihre Botschaften von jeder Seite an, so kann dies leicht in eine unerwünschte Reaktion und ein „jetzt erst recht nicht“ umschlagen.
Remarketing-Strategie
Definieren von Remarketinglisten
Wie bei Ihren „normalen“ AdWords-Kampagnen gilt auch hier: Je genauer Sie die Anzeigen-Botschaft auf den User individualisieren, umso erfolgversprechender sollte Ihre Remarketing-Kampagne werden. Bei den meisten Sites bietet es sich daher an, eine Einteilung entlang der Site-Bereiche, der angebotenen Marken oder der Phasen im Kaufzyklus vorzunehmen.
Doch achten Sie bei aller Segmentierfreude darauf, dass sich der Aufwand auch lohnt. Definieren Sie Besuchergruppen und damit Remarketinglisten, die eine genügend große Anzahl an Mitgliedern erreichen werden. Google spricht in diesem Zusammenhang von mindestens 500 Nutzern, „bevor eine Anzeige für diese Liste geschaltet wird“. Sie können die Nutzeranzahl Ihrer Remarketinglisten direkt im AdWords-Konto prüfen.
Markieren Sie also nur Seiten mit genügend Traffic. Webanalyse-Tools können Ihnen zum Beispiel recht einfach die meistbesuchten Seiten Ihres Webauftritts herausfinden. Im einfachsten Fall erstellen Sie eine Remarketing-Kampagne für alle Besucher und bauen das Remarketing-Tag auf allen Seiten ein.
Dauer der Mitgliedschaft
Standardmäßig bleibt jeder User 30 Tage lang einer Liste zugeordnet. Kommt er zwischenzeitlich wieder auf Ihre Website, so beginnen die 30 Tage wieder von vorn. Diese Dauer können Sie beim Erstellen der Remarketingliste ändern.
So hilft Ihnen eine Verlängerung der Mitgliedsschaft zum einen beim „Sammeln“ von Mitgliedern. Zum anderen und insbesondere können Sie die Einstellung aber so treffen, dass die Dauer den gesamten Kaufzyklus von der Informationsphase bis zur Conversion umfasst – und dieser ist beispielsweise bei der Buchung des Familienurlaubs in der Regel länger als 30 Tage. So bietet sich gerade bei hochpreisigen Produkten oder langfristigen Bindungen eine Verlängerung der Mitgliedschaft an.
Verlängern Sie trotzdem nicht, „was das Zeug hält“ (maximal möglich: 540 Tage), sondern prüfen Sie, bis zu wie viel Tagen nach dem Besuch die Mitgliedschaft noch Sinn macht. Denken Sie auch daran, dass die Kampagnenleistung mit der Zeit abnehmen kann (Stichwort CPC-Modell und Qualitätsfaktor) oder die Anzeigenschaltung Geld kostet (Stichwort TKP-Modell).
[Teil 2 folgt; Edit: Remarketing - Teil 2]